21 Millionen für Chemiewerk Bad Köstritz: Größte Investition seit Bestehen

Chemiewerk Bad Köstritz weiht im Sommer Anlage zur Herstellung von Schwefelverbindungen ein. Die Anlage bringt eine Ersparnis von 2,5 Millionen Euro jährlich.

Juli, August soll sie fertig sein und in Betrieb gehen – die neu errichtete Anlage auf dem Gelände des Chemiewerkes Bad Köstritz, die größte Einzelinvestition seit Jahrzehnten für die Chemiewerk Bad Köstritz GmbH. In der rund 21 Millionen Euro teuren Anlage werden dann nahezu vollautomatisch die für das Chemiewerk zur Produktion von Kieselsäure, Thiosulfaten und Sulfiten benötigten Stoffe Schwefelsäure und Schwefeldioxid hergestellt.

Die neue Prduktionsanlage im Chemiewerk Bad Köstritz ist fast fertig. Im sommer soll sie in Betrieb gehen, erklären GF Dr. Lars Böttcher (links) und Michael Schanze, techn. Leiter. (Foto: Peter Michaelis)

Mit der Planung der Anlage habe man bereits vor drei Jahren begonnen. Anfang 2020 wurde das Projekt im Stadtrat Bad Köstritz der Öffentlichkeit vorgestellt, erzählt Geschäftsführer Lars Böttcher. Nun wurde das Vorhaben mit Einzelheiten unter anderem auch auf der Internetseite des Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) bekanntgemacht. Böttcher erklärt, dass das Familienunternehmen eine vorzeitige Baugenehmigung hatte und somit im Frühjahr 2020 mit der Errichtung beginnen konnte. Nun, so sei es seit ein paar Jahren gesetzlich vorgeschrieben, sagt Böttcher, sei die Genehmigung für jeden einsehbar. „Firmeninternes ist geschwärzt und es ist auch rein informativ.“

Die Anlage, die insgesamt eine Fläche von 5000 Quadratmeter beansprucht, steht auf einer Bodenplatte von 1000 Quadratmetern und besteht unter anderem aus dem Schwefelofen, einem Konverter, Adsorber und Lagertanks. Errichtet wird sie von der Wiesbadener Firma Hugo Petersen, einem Unternehmen, das auf eine über 100-jährige Tradition im Bau von Industrieanlagen zurückblicken kann, erzählt Böttcher.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage wird das Chemiewerk künftig seinen Hauptrohstoff – Schwefeldioxid – selber herstellen. Dann benötigt das Werk nur noch den flüssigen Schwefel, unter anderem aus Leuna, rund 15.000 Tonnen jährlich. „Dieser wird mit Lkw geliefert. Unsere Werksbahn werden wir einstellen“, sagt der Geschäftsführer. Die Erhaltung und Pflege des Schienennetzes koste das Unternehmen jährlich über 100.000 Euro. Böttcher rechnet insgesamt mit einer Ersparnis von rund 2,5 Millionen Euro im Jahr. Denn neben dem Wegfall des Einkaufes von gut 12.000 Tonnen Schwefeldioxid jährlich, werde das Unternehmen auch nur noch ein Drittel des bisherigen Erdgases benötigen. Schwefeldioxid entsteht in einer exothermen Reaktion beim Verbrennen von Schwefel. Die dabei freigesetzte Wärme – bis zu 1500 Grad Celsius – werde das Chemiewerk als Prozessdampf weiter nutzen. Somit senke es den derzeitigen Kohlendioxidausstoß um 3500 Tonnen pro Jahr. Michael Schanze, technischer Leiter, erklärt, dass die Mitarbeiter durch den Anlagenbauer in die Anlage eingewiesen und entsprechend geschult werden.

Für dieses Jahr plane die Gesellschaft, die in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen der GmbH und 190 Jahre Chemiewerk in Bad Köstritz feiert, einen Trockner für den Abwasserschlamm. Momentan entsorge das Werk jährlich 12.000 Tonnen feuchten Silikatschlamm. Mit einem Trockner könnte diesem bis zu 75 Prozent Wasser entzogen und die Entsorgungsmenge auf 3000 Tonnen jährlich reduziert werden, erklärt Böttcher. Danach müsse man aber erst einmal ein bisschen sparen, lächelt er.

Finanziell stehe das Unternehmen gut da. 2020 sei das umsatzstärkste Jahr seit Bestehen der GmbH, sagt Böttcher. „Wir sind und waren voll ausgelastet.“ Das Unternehmen mit 275 Mitarbeitern habe zurzeit 14 Lehrlinge in Ausbildung. Im Herbst sollen fünf neue Chemikanten und ein Industriemechaniker ihre Lehre beginnen können. Bewerbungen seien noch gerngesehen, obwohl das Auswahlverfahren bereits begonnen habe.

 

Text: Tina Puff, OTZ